Umstellen auf artgerechte Fütterung


Futterumstellung ausgewachsener Hund – wie man am besten anfängt

Die Umstellung, wie die Rawfeeding-Gruppe es vorschlägt:
Diese Gruppe hat jahrzehntelange Erfahrung, jeder Besitzer kann das auch alles etwas schneller umstellen, muss sich je nach Hund aber dann auf Durchfall und starke Blähungen gefasst machen.

Jeder kennt seinen Hund:
– Ist er empfindlich, was Futter angeht, folge lieber dieser Beschreibung.
– ist er unempfindlich, geht’s wie gesagt auch etwas schneller.
– Auf die Woche (ca.) nur Huhn zu Anfang und keine Organe geben.

Ein erwachsener Hund (1 jahr und aufwärts) sollte eine Mahlzeit am Tag bekommen. So hat man die Möglichkeit, große Brocken zu füttern, was am idealsten sowohl für die Zähne als auch für den Kopf (Auslastung) ist.

Ein Hund sollte möglichst nicht immer zur gleichen Zeit gefüttert werden, da sich sonst die Magensäfte automatisch zur passenden Uhrzeit einstellen, anstatt dass sie sich beim ersten Bissen auf das entsprechende Futter einstellen, welches für die Verdauung und dem Wohlbefinden des Hundes von Vorteil ist.

Ein ausgewachsener Hund sollte 2-3% seines Körpergewichtes an Futter bekommen. Kleine Hunde brauchen meist etwas mehr, große Hunde kommen meist mit den 2% zurecht. Jedoch spielt natürlich auch immer Alter und Charakter als auch Veranlagung eine Rolle. Da man aber gerade zu Anfang den Hund nicht überfüttern sollte, da ein zu viel an Futter gerne zu Durchfall führen kann, sollte man immer lieber etwas moderater anfangen. Man kann ja jederzeit die Menge entsprechend steigern.

 

Bei kleinen Hunden würde ich also mit 3 oder 4% anfangen, bei größeren und ruhigen Hunden mit 2%.

Das Futter sollte sich aus ca. 80% Fleisch (inkl. Fette (15-25%), Sehnen, Knorpel, Herz, Mägen etc., eine genaue Auflistung, was wozu gehört, steht im entsprechendem Ordner), 10% essbarer Knochen (reine Knochenmenge (!), nicht RFK (!), dennoch Knochen immer mit viel Fleisch drum füttern), 5% Leber und 5% anderer sekretierender Organe wie Niere oder Milz zusammensetzen. Dies entspricht in etwa der Zusammensetzung eines großen Beutetieres des Grauwolfes (die tragenden Knochen werden im Allgemeinen nicht mitgefressen).

Um die Umstellung allerdings zu vereinfachen und etwaigen Durchfall, der gerne mal bei einer Futterumstellung auftreten kann, vorzubeugen, sollte zu Anfang Huhn inkl. Knochen gefüttert werden. Bei größeren Hunden (alles, was ein Stück größer als eine Katze ist) ist es am einfachsten und kostengünstigsten, ein komplettes Huhn zu kaufen. (Etwaige Innereien können erst einmal wieder eingefroren werden und für später aufbewahrt werden; Hälse bitte vorsichtig füttern, da sie ein Risiko zum Verschlucken darstellen, sofern sie nicht mehr am Huhn dran sind.)

Dieses kann man dann einfach in entsprechende Stücke schneiden, das heißt, bekäme
der Hund ca. 600 Gramm am Tag, schneidet man von dem Huhn eben ca. diese 600 Gramm ab und gibt es dem Hund.
Nicht klein schneiden, nicht wolfen, fertig!

So füttert man am besten mindestens eine Woche; sollte der Kot zu hart werden, einfach mal knochenfreie Mahlzeiten hinzufügen.
Im Grunde sollte so lange Huhn mit und ohne Knochen gefüttert werden, bis der Hund gut damit klar kommt, also notfalls auch länger als eine Woche, das ist kein Problem. Ein Hund braucht nicht jeden Tag alles, das gleicht sich mit der Zeit aus.

Wenn der Hund passenden Kot hat (gerade mit hohem Knochenanteil ist Kot eher härter als Trockenfutter- und Dosenkot; generell ist der Kot von roh gefütterten Hunden aber etwas weicher als bei Industriefutter, auch die Farbe variiert und spiegelt das wieder, was gefüttert wird) kann man nun langsam eine zweite Proteinquelle hinzufügen.

Je nach Empfindlichkeit des Hundes eher vorsichtig, das heißt, zur Huhnmahlzeit ein kleines Stück (z. B.) Rind zugeben. Anschließend die Menge an Rind langsam steigern und Huhn weniger werden lassen, bis der Hund ohne Probleme eine komplette Mahlzeit mit Rindfleisch frisst.

Dabei ist zu beachten: Auch wenn der Hund bereits Rindermuskelfleisch kennt, kann er dennoch erst mal empfindlich z. B. auf Pansen, Herz, etc. reagieren; also im Zweifel neue Fleischsorten langsam zufügen.

Anschließend sollte noch eine weitere Proteinquelle, z. B. Pferd, Schaf etc. (es sollte möglichst rotes Fleisch sein, also nicht unbedingt Geflügel) zugefügt werden.

Knochen können gerne in Form von Huhn zugefügt werden. Manche Hunde brauchen täglich kleine Mengen an Knochen, bei anderen reicht 1- bis 2-mal die Woche eine Knochenmahlzeit. Das kommt auf den Hund drauf an und muss man selber etwas rausfinden, das geht aber relativ fix. Alte Hunde brauchen oft weniger Knochen.
Manche Hunde benötigen für festeren Kot auch etwas mehr als 10% Knochen. Aber bitte jetzt nicht sagen: „Dann füttere ich gleich mehr.“ Das wird sowieso von selbst passieren, da 10% wirklich wenig sind. 😉
Zu Anfang kann es vorkommen, dass Knochenstückchen mit ausgeschieden werden. Das ist kein Grund zur Sorge, das gibt sich mit der Zeit und wenn nicht wird eindeutig zu viel Knochen gefüttert, etwas reduzieren, und dann sollte es passen.
Es sei denn es werden schwer- bis unverdauliche Knochen gefüttert.

Frisst der Hund ohne Probleme 3 verschiedene Proteinquellen, kann langsam mit Organen angefangen werden. Organe werden manchmal auf Grund ihrer Konsistenz verschmäht. Außerdem sollte man mit kleinen Mengen anfangen, da diese für weichen Kot sorgen. Also lieber zu Anfang täglich die 5% des Tagesbedarfs zum Futter hinzufügen. Später kann man dann mal, je nachdem wie der Hund es verträgt, jeden zweiten Tag die entsprechende Menge füttern oder dann auch an zwei Tagen die Woche die Wochenration (also 5% Leber an einem Tag z. B. und am anderen Tag die 5% Niere, Milz etc.) geben.

Außerdem kann nun auch mit Fischöl angefangen werden. Fischöl ist wichtig, wenn man nicht hauptsächlich Wild oder grasgefütterte Tiere füttern kann, da Mastfleisch inzwischen ein zu viel an Omega-6 enthält, welches mit dem Omega-3 im Fischöl ausgeglichen werden muss, da ein zu viel an Omega-6 entzündlich wirkt bzw. ein zu wenig an Omega-3 sich nachteilig auf die Gesundheit auswirkt.

Bitte aber keine Pflanzenöle füttern, sondern wirklich Fischöl. Pflanzenöle, allen voran Leinöl, haben zwar z. T. einen hohen Omega-3-Gehalt, jedoch leider in der Form der Fettsäure ALA. Der Körper braucht aber DHA und EPA (ist in Fischöl enthalten). ALA wird zwar im Körper zu DHA
umgewandelt, allerdings geschieht das schon im Menschen nur zu 5-6%, in einem
Carnivoren vermutlich noch schlechter. Wie viel Leinöl muss man nun also geben, damit er ausreichend bekommt? Was ist, wenn der Hund ALA überhaupt nicht umwandeln kann?
Also bitte Fischöl füttern!

Ansonsten sind Zugaben wie Pflanzenöle nutzlos und teilweise auch kontraproduktiv. Da viele Pflanzenöle eher bedeutend mehr Omega-6 als Omega-3 enthalten, würde man das Omega-6 noch mehr steigern, was schlichtweg gesundheitsgefährdend wäre.

Also bitte lasst euch nicht einreden, ihr müsstet Pflanzenöle hinzufügen. Schon mal ein wildes Tier gesehen, das sich Öl presst? Dazu noch aus Pflanzen?

Judith Tubbesing

 

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